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Toni Schruf: Hotelier und Visionär

Fremdenverkehrszentrum Mürzzuschlag

Von frühester Jugend an interessierte sich Toni Schruf, als viertes von 13 Kindern am 26. September 1863 in eine Mürzzuschlager Gastwirtefamilie hineingeboren, für Literatur und fürs Theater. Doch seine berufliche Laufbahn war ihm als ältesten Sohn des Postwirts bereits von Kindesbeinen an vorbestimmt. Nach dem Schulabschluss schickte ihn sein Vater nach Wien ins Imperial, um dort das Kellner-Handwerk zu erlernen. Weitere Erfahrungen sammelte er in Venedig, an der Cote d‘ Azur, in der Schweiz sowie in Spanien und Ägypten. Seine Auslandsaufenthalte und sein weltoffener Blick formten ihn und gaben ihm einen Horizont, der weit über dem Durchschnittsbürger stand. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1889 musste er das Hotel Post in Mürzzuschlag übernehmen.

Seine wohl bedeutendste Leistung aber bestand zweifellos in der Verbreitung des aus Nordeuropa einsickernden Skisports und des damit in Zusammenhang stehenden Winterfremdenverkehrs. Der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen (1861-1930) verhalf mit seiner Skidurchquerung Grönlands und seinem darauf basierenden Buch dem nordeuropäischen Flachland- und Hügelgerät zum endgültigen und weltweiten Durchbruch. Vom „Nansenfieber“ erfasst ließen sich auch die beiden Steirer Max Kleinoscheg (1862-1940) und Toni Schruf Ski aus Norwegen kommen.

Als Hotelier, aber Visionär kämpfte Schruf wie viele seiner Berufskollegen mit dem Ausbleiben der Gäste im Winter. Mit Ausnahme etlicher Geschäftsreisender waren in dieser Zeit keine Gäste anzutreffen. So war Schruf immer aufgeschlossen für neue Ideen, gerade wenn sie für die schwache Wintersaison Besserung versprachen.

Kleinoscheg und Schruf wurden infolge nicht müde aus mehreren Gründen die Vorzüge des neuen Sportes zu betonen. Einerseits wurde dadurch die Fortbewegung im Winter erleichtert, speziell für Berufsgruppen wie Jäger, Forstleute und Postbedienstete, andererseits war es möglich, vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit aus Mürzzuschlag auch im Winter ein Fremdenverkehrszentrum zu machen. Weiters war durch den Skisport eine gute Trainingsmöglichkeit für Sommersportarten gegeben. Natürlich erregten sie bei der damals noch ahnungslosen Bevölkerung mit ihren Unternehmungen großes Aufsehen. Es wurde die Gründung des Verbandes Steirischer Skiläufer beschlossen. Mangels an Vorbildern wurden die Statuten an jene der Radfahrersatzungen angelehnt. Am 1. Februar 1893 wurde die konstituierende Generalversammlung in Schrufs Hotel Post in Mürzzuschlag abgehalten.

Bereits am nächsten Tag wurde das „Erste Internationale Skiwettlaufen in Mitteleuropa“ ausgetragen. Tausende Zuschauer waren versammelt. In mehreren Läufen, bei denen jeweils bis zu fünf Kontrahenten gleichzeitig eine vordefinierte Strecke bergabfuhren, wurden die Sieger im Hauptrennen, im Damenkürlaufen und im Jugendlauf ermittelt. Sieger des Hauptlaufes wurde Bismarck Samson, ein Norweger, der in Wien als Bäckerlehrling arbeitete.
Schruf war zwar auch gerne bei Skirennen (nicht nur in der Organisation) aktiv aber doch dem Skibergsteigen mehr verbunden. So gelangen ihm etliche Bergbesteigungen. 1895 stand er beispielsweise am Hochschwab und am Schneeberg, 1896 erreichte er den Gipfel der Schneealpe und jenen des Prebers.

Toni Schrufs Idee von einer Wintersaison im Hotelgewerbe schien Erfolg bringend zu sein. Bereits ab 1898 bot das Hotel Post als „Pension für Wintertouristik und Wintersport“ einen Servicedienst mit Skiverleih sowie eigenem Skilehrer an. Schruf, seit 1895 mit seiner Frau Sofie verheiratet und Vater von sechs Kindern, sah sehr früh das Potential für seine Visionen im Fremdenverkehr. Parallel erbaute er das Bärenkogelhaus und richtete zu Ehren seines Freundes Peter Rosegger im Hotel Post das Roseggerstübl ein. Dort umgab sich der Gastwirt mit bekannten Zeitgenossen und bewahrte Andenken an Rosegger, aber auch Bilder mit persönlichen Widmungen von Forschern (Nansen, Amundsen, Wegener), Dichtern (z. Bsp. Anzengruber), Komponisten (z. Bsp. Brahms) oder Schauspielern (z. Bsp. Girardi). Er war an der Errichtung des Rosegger-Alpenhauses auf der Pretul genauso unterstützend beteiligt wie am Bau der Heilandskirche in Mürzzuschlag. Dem jungen Fotokünstler Franz Josef Böhm wiederum richtete Toni hinter dem Hotel Post ein Atelier ein. Es sollte der Start für eine Karriere als „Hofphotograph Sr. Majestät des Kaisers von Russland und Kammerphotograph Ihrer k. u. k. Hoheit“ sein.

Im Jahre 1931 wurde in Mürzzuschlag die Arbeiter-Olympiade abgehalten. Als die 10.000 Festteilnehmer an ihm vorüberzogen, da fühlte er, dass sein Werk Bestand haben werde, auch wenn er nicht mehr sei; und dies söhnte ihn mit seinem Los aus. Kurze Zeit später (1932) fand das immer ruhelose Herz seine ewige Ruhe.

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